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Projekte der Celeste Adventures   ATACAMA EXPEDITION 2017

Unsere Expedition in den grossen Höhen die wir mit unseren Fahrzeugen befahren können bietet uns die einmalige Gelegenheit die Besonderheiten des Reisens in diesen Höhen genauer zu studieren.
In Projekt 1   Gesundheit    sind dies einerseits die gesundheitlichen Aspekte wie Akklimatisation und Höhenkrankheit und die Folgen und andernseits die Therapien dazu.
In Projekt 2   Drohne in grosser Höhe wird die Technik untersucht, wie verhält sich eine Dji Mavic Pro Drohne in grossen Höhen, wie hoch, wie lange und bei welcher Höhe und Temperatur kann sie noch fliegen, vom Hersteller mit max. 5'000 müM angegeben sind wir natürlich gespannt was sie effektiv leisten kann.
In Projekt 3   Performance Benzinmotoren  geht es um die Performance unserer Fahrzeuge mit grossen Benzinmotoren, wieviel Leistung ist auf welcher Höhe noch vorhanden, was kann verbessert werden, gibt es Hilfsmittel um die Leistung zu erhöhen.
Die genaue Auswertung unserer Aufzeichnungen wird dann nach der Reise unter Science in den 3 Projekten vorgestellt.
Die allgemeine Auswertung der Expedition unter SUMMARY

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Auswertung Projekt 1  Gesundheit

Dank dieser Projektarbeit wurde dem wichtigen Thema Gesundheit während unserer Reise ganz grosse Bedeutung zugemessen und alle waren entsprechend sensibilisiert. Das war im Hintergrund auch das Ziel der Übung. Die Messung vor allem des Sauerstoffgehaltes im Blut hat viel dazu beigetragen, kritische Situationen rechtzeitig zu erfassen und mit systematischer Atemtechnik den Sauerstoffgehalt im Blut um 5-10 % zu erhöhen.

Speziell dem Respekt vor der Höhenkrankheit ( Lungenödem) wurde grosse Aufmerksamkeit geschenkt und wir hatten dank den flankierenden Massnahmen keine Vorfälle zu verzeichnen. Das ganze Team konnte sogar den 6022m hohen Vulkan Uturunco besteigen. Für ältere Herren keine Selbstverständlichkeit. Vor 12 Jahren hatten wir dieses Ziel nicht erreicht.

1.  Die Vorbereitung zur Höhenanpassung 

Wir haben uns mit der Materie gut auseinander gesetzt. Rücksprachen mit Hausarzt, Apotheken, Internet Studium über die Höhenkrankheit und die eigenen Reiseerfahrungen gaben uns die Grundlagen dazu.

Der Inhalt der Reiseapotheke war gut ausgewählt worden und wir waren mit 3 Flaschen Sauerstoff  bereit, akute Fälle von Höhenkrankheit rechtzeitig zu bekämpfen. Wir haben im Verlauf der Reise allerdings nur wenige Medikamente aus der Sanitäts-Kiste gebraucht.  Wir wären aber für den Fall der Fälle bereit gewesen.

Projekt1.1Das Verstehen der Auswirkungen der Höhenkrankheit und des körperlichen Verhaltens auf hoher Höhe ist beruhigend und notwendig, um die richtigen Entscheidungen in Notfällen zu treffen. Da leisten auch die vielen Publikationen im Internet gute Dienste um die Thematik zu verstehen.
Den normal Reisenden ist dies so nicht bewusst da sie sich nur kurze Zeit über 4'200m Höhe befinden und meistens Abends wieder auf tieferer Höhe übernachten. Über 4'500 m kann sich der menschliche Körper nicht mehr regenerieren und es braucht eine längere stufenweise Angewöhnungszeit und die richtigen Hilfsmittel damit man nicht in die erwähnten Probleme läuft.

Die Messung des Sauerstoffgehaltes wurde mit einem einfachen Puls + Oxymeter vorgenommen.  Es gibt gute Geräte für weniger als 50 Franken, teilweise mit Bluetooth Verbindung um die Daten im Computer aufzeichnen zu können. Diese Geräte messen die SpO2, die partielle Sauerstoffsättigung des arteriellen Hämoglobins, die Pulsfrequenz und die Pulsintensität.

Eine Problematik war aber die zu tiefe Blutzirkulation auf grosser Höhe und bei kalten Temperaturen, da der Körper automatisch die Blutzirkulation reduziert, um die Körperwärme zu konservieren. Ohne einen genügend starken Puls ( Druck) konnte das Messgerät nicht arbeiten. Gerade  auf dem Vulkan Uturunco auf 6022 m Höhe konnten wir keine Datenaufzeichnung machen. Schade, gerade dort wäre es wirklich spannend gewesen.

Trotz intensiver Nachforschungen ist es uns nicht gelungen verbindliche Grenzdaten über den notwendigen Sauerstoffgehalt im Blut in Erfahrung zu bringen. Auch über einfache Messungen, um die wichtige Nierentätigkeit zu überwachen konnten wir nichts herausfinden. Deshalb werden wir die gemessenen Daten und Fakten selber beurteilen.

Die Vorbereitung der Datenaufnahmen auf einer Excel Datenbank dient der systematischen Vorgehensweise.  Es dient auch dazu um rückwirkend Reaktionen und Abweichungen der einzelnen Teammitglieder erfassen zu können.

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2.  Die Umsetzung der Massnahmen 

Es kommt meistens anders als man denkt.

Die körperlichen, psychischen und zeitlichen Belastungen waren während der ganzen Reise gross. Jedermann war am Anschlag, jeder natürlich auf einem anderen Niveau oder in einem anderem Bereich. Das führte dazu, dass die individuellen Messungen wohl vorgenommen, aber die Gesundheitsdaten nicht immer schriftlich festgehalten wurden.  Die vorgesehenen Massnahmen wie Blutverdünnung und Wasserabsorbierung wurden nicht von allen Teilnehmern konsequent umgesetzt. Im Voraus irgendwelche Mittel einzunehmen die man noch nicht kennt ist nicht jedermanns Sache. 

Da wir am Abend die Zeit nicht wie geplant, gemeinsam im Zelt verbrachten, sondern die Personen, welche täglich die Fotos aufbereiteten und den Text für die Reiseberichte erstellten, sich in der Unterkunft zurückzogen und im stillen Kämmerlein ihre zeitaufwendige Arbeit verrichteten, fehlte zu Teil der informative Austausch und die Diskussionen über das persönliche Befinden und das Verhalten in der Gruppe.

Mit dem krankheitsbedingten Ausfall von Teammitgliedern konnten die vorgesehenen Projekt-Arbeiten auch nicht immer erledigt werden. Die Prioritäten mussten anders gelegt werden.

3.  Gesundheitliche Höhen-Probleme

Auf unserer Expedition in grosser Höhe und bei sehr trockener Luft sind wir mit folgenden gesundheitlichen Problemen konfrontiert worden:

  • Durchfall und Erbrechen
  • Hustenreizungen mit bronchialen Problemen
  • Nasenschleimhaut, verstopfte Nase, alles eingetrocknet
  • Schlafprobleme / Schnarchen
  • Anzeichen und Risiko eines Schlaganfalles
  • Spröde Fingerspitzen, Entzündungen und Risse im Nagelansatz und der Haut
  • Trockene, rissige, offene Lippen
  • brennende trockene Augen
  • Sonnenbrand auf ungeschützten Hautstellen
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Bei allen gesundheitlichen Problemen war fast nie eine klare Zuweisung der Ursache möglich. Immer war natürlich der Einfluss der grossen Höhen (> 4'200m) in Betracht zu ziehen. Wegen dieser Unsicherheit konnte man auch nicht mit einer klaren therapeutischen Massnahme das Problem behandeln. Und ein Absteigen auf eine  wirklich niedrige Höhe wäre auch immer mit einem Neuanfang der Akklimatisation verbunden.

Das Schlafen im Auto und Zelt bei einer Aussentemperatur von -5 bis -12 Grad unter Null ist bei Krankheit nicht möglich. Deshalb waren die einfachen Unterkünfte wie Hostal oder Refugio's, (s.Bild) auch wenn ohne Komfort, immer noch besser und auch notwendig. Die Reiseroute musste somit entsprechend umgeplant werden. Zum Glück haben wir auch immer irgendetwas gefunden.  Das wäre vor 12 Jahren auf unserer letzten Reise auf dem Altiplano noch nicht möglich gewesen, da es damals fast keine Unterkünfte gab.

Der unsägliche Feinstaub beim Fahren und die Luftfeuchtigkeit von unter 10 % machte einem das Leben schwer.  Die Nase war verstopft, wegen der notwendigen Blutverdünnung  löste ein zu starkes  „schneuzen“ Nasenbluten aus.(s.Bild) Mit Nasenspray und Meersalz-Tropfen versuchte man, die mit Staub und Blut verstopften Nasenschleimhäute aufzuweichen und zu waschen um wieder zu genügend Luft zu kommen.

Wegen der Atemnot (reduzierter Sauerstoffgehalt der Luft) und der verschlossenen Nase musste vermehrt über den Mund geatmet werden, welches dann wegen des Staubes und zu trockener Luft  prompt zu Reizungen der Atemwege und Bronchien führte. Das Schnarchen in der Nacht war die logische Folge und auch eines der Übel gegen einen erholsamen Schlaf. Mit offenem Mund zu schlafen führte zu Brochialreizungen und asthmaähnlichen Hustenanfällen.

Das Erbrechen und schwerer Durchfall während 2 Tagen schwächt den Körper massiv. Eine Erholung auf immer noch 3'700m Höhe war sicher nicht ideal und leicht. Die bevorstehenden Aufstiege auf Höhen von 5'000 und 6'000m lösten Unsicherheit und Angstgefühle aus. Die Freude und Lust am Abenteuer hielt sich bei den damals Betroffenen in Grenzen. Ein Abbruch der Reise wurde sogar in Betracht gezogen.

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4.  Prophylaktische Massnahmen

4 von 6 Teilnehmern hatten von Beginn an täglich Diamox (gegen Höhenkrankheit, Wasserabsorbierung in Nieren und Lunge) und Aspirin Cardio (Blutverdünnung) eingenommen. 2 Teammates haben erst ab der Mitte der Reise diese zwei Medikamente systematischer eingenommen, nachdem sie die oben beschriebenen Probleme bereits einmal durchlebt hatten. Starkes Kopfweh wie bei der letzten Bolivien Reise im 2005 wurde nicht verzeichnet. Auch die „Vergesslichkeit“ war auf dieser Reise weniger ausgeprägt da wir diesmal besser akklimatisiert waren.

Wasser oder The ( auch Koka-The, Mate de Coca) wurde von allen ausreichend getrunken, für die 2 Liter täglich wurden die Wasserflaschen und The-Thermos  immer wieder gefüllt. Niemand hat über Austrocknung oder dunklen Urin berichtet.

5.  Akklimatisation an die Höhe

Der stufenweise Aufstieg mit zuerst den 3 Tagen in Cochabamba auf 2'500m und dann 2 Tage in Oruro auf 3'700 m bis auf die vorgesehenen 4'500m war grundsätzlich ein guter Ansatz. Man sieht, dass bereits die ersten 2 Tage in Cochabamba auf 2'500 m einen kleinen Anstieg des Sauerstoffgehaltes im Blut auslöste. 

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Mit der Bildung  des Hämoglobins steigt nach 3-4 Tagen auch der Sauerstoffgehalt des Blutes wieder an.  Diese Tatsache korrespondiert auch mit den Publikationen, dass ohne genügende Akklimatisation oft in der 3. oder 4. Nacht ein Lungenödem eintreten kann. (Tiefster Punkt 11.01.00). Die Konsequenz daraus ist eine noch längere Angewöhnungszeit  oder ein Abstieg auf Höhen unter 3'000m.
Der zweite massive Einbruch des Sauerstoffgehaltes  beim Aufstieg auf das bolivianische Hochplateau (27.01.00) ist vielleicht auf den sehr schnellen Anstieg von San Pedro (2500) auf das Altiplano (bis 5'500m) am 25.01 zurückzuführen, in diesem Moment spürten einige wieder ein taubes prickeln in den Fingerspitzen.

Ein sehr schönes Beispiel, wie sich der Sauerstoffgehalt mit der Höhe verändert hat ist die  untenstehende Aufzeichnung von einer Einzelperson. Beim  Abstieg zum Tanken nach Pica (1000m) und nach San Pedro (2500m) schnellte der Sauerstoffgehalt auf 95% an. Am Schluss der Reise sieht man auch deutlich den klar höheren Sauerstoffgehalt im Blut zu Hause als noch vor dem Start.

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Die Streuung des Sauerstoffgehaltes unter den Mitgliedern war allerdings gross. Aber auch die Grenze des sich noch „Wohlfühlen's“ war unterschiedlich.  Die Einen spüren das Unwohlsein schon unter 90  % andere aber erst unter 85% oder sogar erst bei 80 %. Dies ist sicher auch eine Frage des richtigen Fitness-Trainings vor einer solchen Reise.

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Mit systematischer und langsamer Tiefen-Atmung (Brustkorb füllen, Atem etwas anhalten und pressen) kann man schnell und leicht einen 5 % höheren Sauerstoffgehalt erreichen und damit wieder in den Komfortbereich kommen. Mit längerer Tiefenatmung kann man 8 -10 %  mehr Sauerstoff produzieren, man fühlt sich dabei aber nicht gut und etwas schwindlig (wie beim Hyperventilieren). Aber in grossen Höhen ist das immer Hilfreich um drohender Sauerstoffarmut vorzugreifen, bei 5'000m hat es noch knapp die Hälfte des Sauerstoffes in der Luft. Jede Anstrengung braucht da die doppelte Luftzufuhr.....
Wenn man zu wenig Sauerstoff im Blut hat, beginnt man oft schneller und oberflächlicher zu atmen. Man schnappt buchstäblich nach Luft und hat nicht die Geduld langsam und tief zu atmen. Man muss buchstäblich lernen  > mit dem Kopf< zu atmen.

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Der kritische Grenzwert

Bis 80 % Sauerstoffgehalt hatte ich mir persönlich die Grenze gesetzt. Darunter wurde die Arbeit eingestellt und tief geatmet. Bei diesem Wert kribbelte es in den Fingern und Zehen und zeigt klar eine Unterversorgung der Extremitäten mit Sauerstoff an. Wir hatten dies auch während des Fahrens in grosser Höhe, da man ruhig sitzt und sich kaum bewegt ist der Puls zu tief und bringt zuwenig Sauerstoff an die Körperenden.
Bei einem Krankheitsfall (Erbrechen + Durchfall) war bei einem Patienten der Sauerstoffgehalt unter 70% gefallen. Das verursachte dann schon ernsthafte Bedenken.  Mit einem gemeinsamen systematischen Atmen mit dem Patienten konnte der Wert über 80% angehoben werden. Im Prinzip hätte man in dieser Situation den Einsatz mit den Sauerstoff-Flaschen in Betracht ziehen sollen. Ob aber der Patient mit den Brechenreizen eine Sauerstoffmaske angelegt hätte, ist eine andere Frage.

6.  Der Blutdruck in grosser Höhe

Der Blutdruck steigt grundsätzlich mit zunehmender Höhe an. Aus diesem Grunde haben alle Teammitglieder prophylaktisch täglich ein Aspirin Cardio zur Blutverdünnung eingenommen. Jene welche damit schon in Cochabamba begonnen hatten wurden markant weniger krank.
Dank dieser Prophylaxe konnte man den Blutdruck mit den Medikamenten gut unter Kontrolle halten. Dies widerspiegelt den sehr ausgeglichenen durchschnittlichen Blutdruck der ganzen Gruppe. 

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Die Abweichungen vom Durchschnitt waren allerdings bei einzelnen Personen beträchtlich. Die extremen Schwankungen sind auf den unregelmässigen Einsatz von anderen blutdrucksenkenden Medikamenten bei einzelnen Personen zurückzuführen.
Als Beispiel hat eine Person während der Reise, als dessen Blutdruck über 170 stieg, blutdrucksenkende Medikamente eines Kollegen eingenommen. Diese unprofessionelle Einnahme des Medikamentes resultierte dann in einem Zusammenfallen des Blutdruckes  auf ein Niveau von 110, worauf schon bei den kleinsten Anstrengungen Schwindelgefühle auftraten. S.n.Diagramm:

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7.  Generelles Verhalten im Team

Alkoholgenuss war vor 12 Jahren kein Thema. Auf dieser Reise wurde fast täglich, sogar mit Genuss, etwas Alkohol (Glas Bier oder Wein) getrunken und dies verursachte mit dem guten chilenischen Wein nachträglich kein Kopfweh.
Hingegen sind alle älter geworden. Man erreicht die persönliche Grenze früher, kommt in Stress und hat dabei eine etwas „längere Leitung“, versteht nicht mehr alles auf Anhieb, man wird ungeduldiger und auch unflexibler. Das hat sich im täglichen Umgang und im Umgangston miteinander gezeigt. Ein Ausrufen und Ausrasten waren dann auch klare Zeichen der Unzufriedenheit und das Anstossen an die eigenen Grenzen.

Hier hätten neben den täglichen Briefings am Morgen, kurze Debriefings am Abend wertvolle Dienste leisten können um Missverständnisse und Unsicherheit  ausräumen zu können. Wir haben zwar entsprechende Formulare vorbereitet, sie aber während der Reise nicht besprochen und uns nicht die Zeit genommen um die Datenblätter auszufüllen.

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8.  Die Behandlung eines Notfalls

Der schwierigste Notfall-Entscheid auf der Reise war bei einem akuten Schwindel-Anfall eines Teammitgliedes zu treffen. Plötzliches doppeltes, „verzacktes“ Sehen, punktuelles extremes Kopfweh oberhalb Schläfe und Ohr, ein überdurchschnittlich hoher Blutdruck, Formulierungsschwierigkeiten und mehrmaliges Erzählen eines Todesfalls in seiner Nachbarschaft mit ähnlichen Anzeichen waren unsere Wahrnehmungen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt in San Pedro auf 2'500m und kamen am Vortag  dahin von einer Nacht im Auto / Zeltcamp auf 4800m Höhe.
Aufgrund dieser Angaben haben wir via Google mögliche Krankheitsbilder analysiert und uns auf zwei mögliche Ursachen konzentriert: Übermüdung oder ein mögliches Anzeichen einer bevorstehenden Hirnblutung.

Als Sofortmassnahme wurde eine Blutverdünnung mit einer Spritze in den Bauch vorgenommen. (Dieses Verfahren wird oft auf langen Flugreisen als unproblematische Prophylaxe eingesetzt). In San Perdo de Atacama hat es eine Sanitäts-Notstation. Wir mussten uns zuerst einig werden, was wir grundsätzlich machen sollten. Die Verantwortung wird uns wohl niemand abnehmen.

Man musste sich im Klaren sein, dass auf der Notstation keine den Anforderungen genügenden Messgeräte zur Verfügung stehen, um eine mögliche bevorstehende Hirnblutung detektieren zu können, oder zu garantieren, dass kein Risiko dafür besteht. Der mögliche Entscheid des Notarztes  war gross, den Patient in das 100 km entfernten Spital zur genauen Untersuchung zu überführen. Eine notwendige Analyse, um einen sicheren Heimtransport mit dem Flugzeug über den Südatlantik zu garantieren, dauert logischerweise Tage.  Wollen wir das?
Aufgrund aller vorhandenen Fakten wurde deshalb folgendes Vorgehen festgelegt:

  • Zuwarten und Patient überwachen. Regelmässig diverse Funktionstests der Motorik durchführen.
  • Verbindungen zu Pedro, unserem Emergency Manager in Santiago aufbauen, um eine schnelle Aktion auslösen zu können.
  • Wenn eine Verschlechterung oder keine Verbesserung eintritt, den Patienten via Notstation San Pedro ins Spital nach Calama überführen lassen. (der Emergency Manager würde zusätzlich sicherstellen, dass es auch klappt).
  • Im Falle einer Überführung ins Spital zusätzlich Kontakt via Emergency Manager Reto zu der Kranken-Versicherung Zuhause aufbauen um sicherzustellen dass die REGA die Überführung organisieren soll. (Patient war allerdings kein REGA Gönner)
  • Die Verfahren der Rückschaffung mit der REGA sind uns bekannt. Die REGA koordiniert direkt mit dem involvierten Spital. Wir müssen nur Kontaktadressen und Unterlagen des Patienten liefern.

2 Stunden nach der Spritze hat der Patient wieder normal gesehen. Nach weiteren 4-5 Stunden Ruhe und Betreuung waren die Schwindelgefühle weg und die Kopfschmerzen auf einem erträglichen Niveau. Es wurde entschieden, dass der Patient 2-3 Tage im Hotel in San Pedro de Atacama bleibt und nicht auf den 2 tägigen Ausflug bis auf 5'000m Höhe in den Südwesten von San Pedro mitfährt. Bei einem Rückfall hätte man so die Überführung ins Spital sofort vornehmen können.

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Der Patient erholte sich enorm schnell und hat schlussendlich die Reise via Bolivien normal zu Ende geführt und auch den 6022m hohen Volcan Uturunco bestiegen.
Die systematische Vorgehensweise zusammen mit dem > eingegangenen Risiko<  kann nachträglich als „geglückt“ bezeichnet werden.

9.  Persönliche Eindrücke des Teams

 

folgt noch

 

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Projektierung vor der Abreise

Projekt 1  GESUNDHEIT - HÖHENAKKLIMATISATION

Auf unserer Reise nehmen wir das Risiko einer akuten Höhenkrankheit sehr ernst.  Lungen- und/oder Hirnödeme, Thrombosen und Lungenembolien können auf unserer primären Reisehöhe von 4500-6000m in ihrer schweren Form lebensbedrohlich sein. Deshalb müssen wir systematisch sicherstellen, dass wir nie in eine solche Situation geraten werden, weil es nicht immer möglich ist, in kurzer Zeit auf eine sichere Höhe von unter 3'000m abzusteigen.

Projekt Gesundheit + Akklimatisation 2017

Auf unserer Reise werden wir die Erfahrungen aus der Bolivienexpedition von 2005 wieder aufnehmen und weiterentwickeln. Mit den systematischen Datenaufnahmen bei allen 6 Mitgliedern können wir eventuell das Ausscheren eines Mitgliedes besser erkennen. Dazu nehmen wir die folgenden Daten auf:

  • Kontinuierliche Pulsaufnahme und Schlafanalysen
  • Blutdruck messen mit professionellen Geräten
  • Sauerstoff Gehalt des Blutes (punktweise und fortlaufend) mit Oxymeter
  • Nierentätigkeit
  • Wasserhaushalt
  • Reaktionen von Medikamenten Einnahmen
  • Befindlichkeit
  • Verhalten (motorisch und psychisch)

Wir werden diese Daten zu Hause dann auswerten und die Zusammenhänge mit der Höhe analysieren. Die Studie wird auf der Homepage unter Science Projekt 1 im Nachgang publiziert.

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Erfahrungen aus dem 2005

Auf unserer ersten Expedition im 2005 wurden wir gerade mit zwei Lungenödem konfrontiert. Die erste akute Höhenkrankheit ist wie in der Literatur beschrieben bereits nach 3-4 Tagen unerwartet in der Region von Ouro auf knapp 4000m eingetreten. Unter Sauerstoffeinsatz  konnte das Teammitglied mit der Ambulanz nach Las Paz in die Höhenklinik gebracht werden, wo er sich in der Druckkabine erholen konnte. Der Zweite Fall ereignete sich auf 4600m nach grosser Anstrengung im Südwesten von Bolivien, wo wir diesen Patienten auf das 2500m gelegene San Pedro di Atacama in Chile ausfahren konnten. Wir konnten aber beide Fälle dank unseren Kenntnissen, Medikamenten und Sauerstoff optimal meistern.

Datenaufzeichnungen / Analysen

Wir haben schon damals die Höhenkrankheit ernst genommen und systematisch Daten von Puls und Blutdruck aufgezeichnet, anschliessend ausgewertet und auf der Homepage publiziert

http://www.celeste.li/bolivia-05/bol-science-de

Zusammenfassend kann man die folgenden bisherigen Erfahrungen aus Bolivia 2005 festhalten:

  • Der Puls verändert sich beim Autofahren mit der Höhe kaum (ca 90-100/min)
  • Bei Anstrengung kam der Puls selten über 140/min, man kam vorher in Atemnot.
  • Ruhepuls in der Nacht bei einem guten Schlaf war normal so um die +/-  60-70/min
  • Bei Durchfall war der Puls in der Nacht gegen 100/min
  • Die Blutdruckmessungen hatten grosse Streuungen. Ausser bei einer Person sind keine markante Veränderung mit der Höhe festgestellt worden. Diese konnten mit doppelten Dosis blutdrucksenkenden Mitteln unter Kontrolle gehalten werden.
  • Durchfall, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit ist ein übliches Vorkommen auf dieser grossen Höhe. Dieser Zustand wirkt sehr ermüdend und führt sehr schnell zu vorübergehender Antriebslosigkeit.
  • Mittlere bis starke Schlaflosigkeit dauerte zwei bis drei Tage. Einige Mitglieder litten die ganze Reise unter leichter Schlaflosigkeit. (leichter Schlaf, immer wieder Erwachen, kurze Wachperioden von weniger als 1 Stunde). Die Schlaflosigkeit war bei fast allen die am meisten aufgeführte Beschwerde. Die Dauer der Tiefschlafphasen werden wir noch genauer untersuchen. Da auf grosser Höhe weniger Sauerstoff vorhanden ist, müssen die Lungen mehr und intensiver arbeiten.
  • Unangenehm war dies in der Nacht, wenn man wegen dem natürlich verlangsamten Atmen beim Schlafen plötzlich nach Luft schnappen musste und dadurch erwachte.
  • Auffallend bei allen Mitgliedern war die mehr oder weniger unsystematische Arbeitsweise, das auffallend starke Verlegen von Material in den ersten paar Tagen auf grosser Höhe. Wir haben dies unter dem Begriff „Verwirrtheit“ verbucht. Auch dies wurde tabellarisch festgehalten in einer Skala von leichter bis grösserer Verwirrtheit. Motorische Störungen, die sich in der ungeschickten Handhabung von Geräten bemerkbar machten und ein unsicheres Gleichgewicht wurde ebenfalls registriert.
  • Prophylaktisch wurde von einem Teil der Mitglieder täglich 1 - 2 Tabletten Aspirin eingenommen. Ausserdem haben wir täglich Mate de Coca (Tee aus Cocoblättern) getrunken, den es in La Paz in normalen Teebeuteln zu kaufen gibt.
  • Durch die grosse körperliche Belastung haben alle Teammitglieder auf der Reise zwischen 3 -5 kg abgenommen.
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Erfahrungen aus der akuten Lungenödem-Erkrankungen im 2005

Krankheitsbild
Der Übergang von den normalen Akklimatisations- Problemen zu einem akuten Lungenödem läuft sehr schnell ab. Anstatt Erholung der normalen leichten bis mittleren Beschwerden im Bereich Kopfschmerzen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit innerhalb eines halben Tag, verstärken sich diese innerhalb des gleichen Zeitraumes auf starke bis extreme Werte auf unserer Bewertungsskala. Es kamen nun heftige Hustenreize und grosse Atembeschwerden dazu.

Wasser in der Lunge
Sobald der Sauerstoff im Blut unter einen gewissen Wert fällt reagiert der Körper durch platzen der Luftbläschen mit einschiessen von Wasser in die Lunge, was man beim Atmen mit hörbarem „gurgeln“ wahrnehmen konnte. Siehe Bericht aus > Poopo .

Bei uns war dies beides Mal in der Nacht eingetreten. Jetzt wird Sauerstoffzuführung mit Vollmaske über Mund und Nase und ein wasserabführendes Medikament notwendig, um die lebensbedrohliche Situation unter Kontrolle zu bringen.

Unsere zwei Patienten waren in dieser kritischen Phase ruhig bis apathisch. Die zur Verfügung stehenden Sauerstoff-Flaschen hatten sicher viel dazu beigetragen, die grossen Probleme ohne Panik ertragen zu können.

Behandlung
Im Spital in La Paz wie auch unterwegs dauerte es zwei, drei Tage bis sich die oben aufgeführten Beschwerden auf das „leichte“ Niveau unserer Bewertungsskala zurück bewegten. Absolute Ruhe für den Körper ist in dieser Phase notwendig.

Die Flüssigkeitsverluste durch Durchfall und Appetitlosigkeit müssen bewusst mit dem fast zwanghaften Trinken kompensiert werden obwohl man keine Lust dazu hat. Der Sauerstoffgehalt im Blut muss für ein paar Tage regelmässig mit kurzer Einnahme von Sauerstoff angehoben werden.

Erstaunliche Verbesserung brachte bei einem Patienten der Abstieg nach San Pedro de Atacama (Chile) auf 2500m. Er fühlte sich sofort wieder fit, auch wenn sich der Sauerstoffgehalt des Blutes nur knapp über dem Minimum befand. Die Rückkehr auf über 4500m Höhe um die Reise fortzusetzen war nicht unkritisch. Dank Sauerstoffunterstützung konnte er die Reise, wenn auch gesundheitlich etwas reduziert, normal zu Ende führen.

Bericht Marcel Lüthi , Fotos + Redaktion Homepage Werner Bührer, Jan. 2018 > Copyright CELESTE ADVENTURES

 
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